„Deren von der Bürger Stuben / Der Herren Geschlechter Hoch-zeitt Büech, so auff die Bürger Stuben gehoeren. Welches Angefangen worden A[nn]o 1484 darin alle deroselben herrn und Frauen Tauff und zuenamen specificiert und begriffen, auch zue Edlrn Auffne[m]men, und Langwürigem angedencken auffs newe zusamen getragen. So vor diser Zeitt niemals als gebräuchig oder im Wercks gewesen. Anno D[omin]i 1621“. (Augsburg), 1621-1623.

Pergament-Einband d. Zt. mit Schließbändern; Qu-8vo [ca. 16 x 20,5 cm]; 120 num. Bl.; (10) nn. Bl., 116 nn. Bl. (Register), (5) nn Bl. — Handschrift in brauner und schwarzer Tinte.

Historisch bedeutsame Abschrift des sogenannten Hochzeitsbuch der Augsburger Bürgerstube (auch Kaufleutestube) aus dem jahre 1621. Der Haupttext ist chronologisch nach Jahren und Datum geordnet und verzeichnet fortlaufend die Eheschließungen der zur Bürgerstube gehörigen Familien im Zeitraum von 1484 bis 1621.
Erfasst sind ausschließlich jene Augsburger Kaufmanns- und Patriziergeschlechter, die zur Bürgerstube gehörten und damit dem eng begrenzten Kreis der städtischen Führungsschicht angehörten. Aufgeführt werden unter anderem die Familien Bach, Baumgartner (Paumgartner), Buroner, Ehem (Ehm), Eggenberger, Fugger, Hainhofer, Haug, Herwart, Hofmaier (Hofmeyr), Hörmann, Hörwarth (Herwarth), Höchstetter, Imhoff, Langenmantel, Lauginger, Meutting (Meiting, Mütting), Peuttinger, Pfeffinger, Pfister, Raid, Rechlinger, Rembold, Rhem, Ridler, Schaller, Schellenberger, Seutter, Stetten, Vetter, Villinger, Vöhlin (Fehlin), vom Stain, Wallenburger, Welser und Ziegler. Das Register ist alphabetisch nach Vornamen geordnet.

Als eine der bedeutendsten Handels- und Finanzmetropolen des Alten Reiches wurde Augsburg über Jahrhunderte von einer kleinen Zahl patrizischer Familien geprägt, die als international tätige Kaufleute, Bankiers und Unternehmer agierten und zugleich die politischen Institutionen der Stadt dominierten. Diese Patrizier waren rechtlich Bürger der Reichsstadt, bildeten sozial jedoch eine geschlossene Oberschicht mit quasi-erblichem Führungsanspruch. Die Zugehörigkeit zur Bürgerstube fungierte als zentrales Distinktionsmerkmal und als Voraussetzung für den Zugang zu Rat, Ämtern und politischem Einfluss.

Das Hochzeitsbuch verdeutlicht die Bedeutung der Ehe für die soziale und wirtschaftliche Struktur der Augsburger Führungsschicht. Durch die chronologische Aufzeichnung der Eheschließungen lassen sich die über längere Zeit bestehenden Heiratsverbindungen innerhalb eines begrenzten Familienkreises nachvollziehen; daraus ergeben sich Hinweise auf den Umgang mit sozialem Status, Vermögensübertragung und politischen Beziehungen innerhalb der Stadt.

Zugleich verdeutlicht die Anlage des Manuskripts das ausgeprägte genealogische Interesse der Augsburger Patrizier, die ihre Herkunft und familiären Verbindungen systematisch festhielten und damit ein Selbstverständnis dokumentieren, das in seiner Form an adlige Genealogien erinnert.

Das Manuskript stellt daher eine wichtige Quelle zur Familien-, Sozial- und Verfassungsgeschichte der städtischen Elite im Alten Reich dar.
Ab dem Jahr 1622 bis einschließlich 1623 ist im Haupttext ein deutlicher Wechsel der Handschrift erkennbar; die Einträge stammen offenbar von einer anderen Hand als der übrige Text. Dies zeigt sich auch daran, dass der Titel des Manuskripts das Jahr 1621 als Abschluss angibt, während die Einträge bis 1623 fortgeführt werden. Die entsprechenden Ergänzungen im Register für die auf diesen Blättern verzeichneten Namen sind ebenfalls in einer abweichenden Schrift ausgeführt. Nach dem Jahr 1623 wurden 3 Blatt herausgetrennt, auf welchen anhand der Registereinträge 22 Einträge verzeichnet gewesen waren.

Dieses Hochzeitsbuch stellt eine von vermutlich mehreren Abschriften der ursprünglichen Aufzeichnungen der Eheschließungen der Augsburger Bürgerstube dar. Die Ur-Abschrift wurde von der Stadt bzw. der Bürgerstube geführt, um die Eheschließungen, Geburten und Zugehörigkeit zu den führenden Patrizierfamilien offiziell zu dokumentieren.

Hochzeitsbücher wie dieses aus der Augsburger Bürgerstube sind auf dem Markt äußerst selten.

Wenige Seiten mit kleinen Randeinrissen oder Fehlstellen (außerhalb der Schrift), teils leicht fleckig, sonst gut erhalten; unmittelbar vor den Registern wurden 7 Blätter herausgeschnitten – es handelt sich dabei vermutlich um ursprünglich unbeschriebene Leerblätter.

EUR 4.500,-