Das wiederentdeckte Geschlechterbuch derer von Rehlingen

Hernach folgen inn disem wappenbuech das geschlecht der Herren Rehlinger unnd Rehlingerin, so inn der Römisch Kaiserlichen Reichstatt Augsburg hochzeit gehalten unnd gehabt haben. Und was fürr Herrn Vom adel geschlechter und geschlechterin Bürger und Bürgerin zu Inen geheuratt haben. Vonn Anno 1527 biß auf dato. (Augsburg), um 1574.  Pappband des 18. Jh. 354 Seiten. Mit 340 Wappenmalereien. Wasserzeichen: Augsburger Wappen.

Das vorliegende Geschlechterbuch der Familie von Rehlingen verzeichnet Mitglieder und deren Wappen von über fünf Jahrhunderten (936-1574). Das Buch ist nach ihren Eheschließungen gegliedert und umfasst die Wappenmalereien der Rehlinger sowie die Wappen der jeweiligen Ehegatten. Links sind die Männer aufgelistet, rechts die Frauen. Es handelt sich offensichtlich um eine Auftragsarbeit für ein Mitglied der Familie von Rehlingen. 

Die Familie von Rehlingen (oder Rehlinger, Relinger, Röhlinger, Rechlinger, Roechlinger) ist ein in den Regionen Bayern und Salzburg verbreitetes Adelsgeschlecht, historisch um Schernegg gelegen, in der Gemeinde Rehling, Bezirk Aichach-Friedberg. Sie waren eine der bedeutendsten bayerischen Adelsfamilien, deren Mitglieder zu den Patriziern der Stadt Augsburg gehörten. 1538 gehörten die Rehlinger zu den sieben „alten Familien“ der Reichsstadt Augsburg. Nachkommen der Familie leben noch heute in Bayern.

Die Geschlechterfolge in der vorliegenden Handschrift beginnt mit Wilhelm von Rehlingen zu Schernegg. Dieser wird erwähnt als Teilnehmer eines Ritterturniers im Jahre 936 zur Zeit Heinrichs I. von Österreich. Das letzte im Buch enthaltene Familienmitglied ist Gabriel Rehlinger (1548-1585), welcher 1574 Susanna Langemantel heiratete. Die Handschrift dürfte also um das Jahr 1574 entstanden sein, vermutlich im Auftrag von Gabriel Rehlinger.

Die Auflistung der ersten Familienmitglieder und Ehen folgt den gleichen genealogischen Linien wie die in Gabriel Bucelinus‘ Stammbäumen in seinem Werk Germania topo-chrono-stemmatographica sacra et profana (Band II, 1662) aufgeführt sind. Es ist wahrscheinlich, dass Bucelinus von der Existenz des Buches wusste und es möglicherweise als Quelle verwendet hat.

Auch Paul von Stetten erwähnt in den Fußnoten seines Buches über den Augsburger Adel die Existenz eines „Genealogie- und Hochzeitsbuches“ der Familie Rehlinger. (Geschichte der adelichen Geschlechter der Freyen Reichs-Stadt Augsburg. S. 87ff). Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch er von der Existenz des Buches wusste und es unter anderem als Informationsquelle über die Familie verwendet hat.

Über die Familie Rehlinger existiert eine weitere genealogische Handschrift aus dem Jahr 1559, verfasst von Clemens Jäger (Von Ankunfft des Uralten Adelichen Geschlechts der Herren Rehlinger). Diese besteht aus 27 Blättern, und wurde mit der Absicht verfasst, die patrizische Abstammung der Familie zu bezeugen. Jäger erwähnt in seiner Handschrift, dass er sechs Jahre lang an einem „Rehlingerischen bluetstammen“ gearbeitet hat, was wahrscheinlich auf seine Absicht hindeutet, ein ordentliches genealogisches Buch der Familie zu schreiben. Womöglich war der Urheber des vorliegenden Geschlechterbuches in der Lage, die Aufzeichnungen von Clemens Jäger zu benutzen. Clemens Jäger starb im Jahre 1561, also kommt er selbst als Verfasser bzw. Schreiber nicht in Frage. 

Ulrich von Rochelingen war das erste urkundlich erwähnte Familienmitglied derer von Rehlingen, welches auch offiziell Bürger der Stadt Augsburg war. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts lässt Grimwald von Rehlingen, dessen Sohn Hans in eine der Patrizierfamilien der Stadt einheiratet, seine Ahnenlinie dauerhaft in Augsburg nieder. Kurz vor dem Ende des 14. Jahrhunderts gehörten Ulrich und Conrad Roehlinger/ Roechlinger zu den 20 reichsten Männern in Augsburg. Die Schlösser der Familie in Rehlingen und Scherneck waren ihr freies Eigentum, zusammen mit ihren Kirchen und Dörfern. Von den bayerischen Herzögen erhielten sie auch die dazugehörigen Gerichtsmarken, insbesondere das Obergericht, als Lehen.

Die Rehlinger erlangten große wirtschaftliche Bedeutung in der Gegend um Augsburg, in der sie Handel, Bergbau, Finanzwesen und Weinhandel betrieben (um 1330). Im 15. Jahrhundert ist ein Familienbetrieb urkundlich belegt, geführt von Ulrich Rehlingen († 1481/82) – ehemaliger Bürgermeister von Augsburg – mit Verbindungen nach Salzburg, Wien, Venedig, Nürnberg, Frankfurt, Lübeck. Im 16. und 17. Jahrhundert waren die verschiedenen Fernhandelsgeschäfte der Familie fruchtbar, sie trugen den Handel in verschiedenen der wichtigsten europäischen Häfen, sogar in Übersee.

Zu den bedeutenden Familienmitgliedern zählen: Konrad Rehlinger (1470–1556), Kaufmann und zweiter Ehemann von Sibylla Fugger; Ulrich Rehlinger d. Ä. (1477–1547), u.a. Augsburger Oberbürgermeister; Anna Fugger, geb. Rehlinger (1505–1548), Ehefrau von Anton Fugger; der Kaufmann Hieronymus Rehlinger (1511–1581) und Konrad Marx Rehlinger (1575–1642), der erfolgreichste Kaufmann der Familie.

Die Rehlinger, die in zahlreiche Augsburger Patrizier- und Kaufmannsfamilien (u.a. Gossembrot, Langenmantel, Fugger, Welser, Baumgartner, Manlich) einheirateten, gehörten bald zur Oberschicht in Augsburg. Die Familie brachte im 16. und 17. Jahrhundert neben kaufmännischen oder politischen Mitgliedern auch zahlreiche Rechtsanwälte, Geistliche, Offiziere, Hof- und Verwaltungsbeamte hervor.

Zum Besitz der Familie gehörten im 16. und 17. Jahrhundert verschiedene Landgüter in der Umgebung von Augsburg (u.a. Hainhofen, Haldenberg, Horgau, Kleinkitzighofen, Leeder b. Landsberg, Nordendorf, Pfersee, Radau). Im Salzburger Land besaß die Familie Rehlingen die Burgen Radeck, Goldenstein, Mühlheim, Ursprung und Elsenheim in Salzburg. Das Stadtschloss der Familie Rehlinger in Salzburg trägt noch heute ihren Namen. Die Familiengruft der Familie Rehlinger befindet sich in der Stiftskirche des Klosters St. Peter in Salzburg.

Das Geschlechterbuch derer von Rehlingen ist doppelt bedeutsam. Zum einen ist es das einzige bekannte illustrierte Geschlechterbuch der Familie von Rehlingen, zum anderen ist es eines der am umfangreichsten ausgestatteten Familienbücher der Augsburger Patrizierfamilien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Wappenmalereien gehören zwar nicht zu den aufwendisgten Malereien, trotzdem gehört das Geschlechterbuch derer von Rehlingen zu den aufschlussreichsten und genealogisch wertvollsten Quellen der Augsburger Patrizierfamilien im 16. Jahrhundert.

Zustand: Einband berieben und bestoßen; ein Großteil des Rückens fehlt; die Blätter wurden beim Binden im 18. Jahrhundert beschnitten; mit teils leichter Beschneidung einiger Randverzierungen von Anfangsbuchstaben. Die Wappenmalereien durchweg sehr gut erhalten.

Literatur:

Paul von Stetten – Geschichte der adelichen Geschlechter der freyen Reichs-Stadt Augsburg. S. 87ff. (erwähnt in den Fußnoten des öfteren ein Rehlingisches Stamm- und Hochzeitsbuch); 

W. Zapf – Augsburgische Bibliothek. S. 184 (erwähnt ein Rehlingisches Stamm- und Hochzeitsbuch, Ms in Quart);

Häberlein, Mark, „Rehlinger“ in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 281-282;

Carl Günther Ludovici – Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, welche bisshero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden, Band 30 (1741)


Hernach folgen inn disem wappenbuech das geschlecht der Herren Rehlinger unnd Rehlingerin, so inn der Römisch Kaiserlichen Reichstatt Augsburg hochzeit gehalten unnd gehabt haben. Und was fürr Herrn Vom adel geschlechter und geschlechterin Bürger und Bürgerin zu Inen geheuratt haben. Vonn Anno 1527 biß auf dato. (Augsburg), c. 1574. 18th-century boards. 354 pp. 340 coat of arms drawings. Watermark: coat of arms of the city of Augsburg.

The present manuscript is a 16th-century genealogical and wedding book of the Rehlinger family, in which its members are listed and documented for over five centuries (936-1574). The book is structured according to their marriages and comprises the hand drawings of the Rehlinger coat of arms, as well as the coats of arms of their respectives spouses. The men are listed on the left, and the women on the right. This was probably a work done on commission for someone in the family.

The Rehlinger (or Rehlingen, Relinger, Röhlinger, Rechlinger) family is a noble family spread in the regions of Bavaria and Salzburg, historically placed around Schernegg, in the municipality Rehling, district Aichach-Friedberg. This was one of the most important Bavarian noble families, whose members formed part of the Patricians of the city of Augsburg. In 1538, the Rehlingers were among the seven “old families” of the imperial city of Augsburg. Descendants of the family still live in Bavaria today.

The first mention in the book is that of Wilhelm von Rehlingen zu Schernegg, dating back to 936, which places Wilhelm as participant in a tournament during the time of Heinrich I of Austria (876-936). The last family member included in the book is Gabriel Rehlinger (1548-1585), dated 1574 – the year of his marriage to Susanna Langemantel. This is most likely the year the manuscript’s last contributions were added.

The listing of the first family members and marriages follows the same genealogical lines as the ones listed in Gabriel Bucelinus’ genealogical trees included in his work Germania topo-chrono-stemmatographica sacra et profana (volume II, 5 leaves, 1662). It is likely that Bucelinus was aware of the existence of the book and may have used it as a source.

Paul von Stetten also mentions the existence of a “genealogical and wedding book” of the Rehlinger family, in the footnotes of his book on Augsburg nobility. (Geschichte der adelichen Geschlechter der freyen Reichs-Stadt Augsburg. p. 87ff). It is very likely that he as well was aware of the existence of the book and may have used it, among others, as a source of information on the family.

There exists another genealogical manuscript about the Rehlinger family from 1559, written by Clemens Jäger (Von Ankunfft des Uralten Adelichen Geschlechts der Herren Rehlinger). This consists of 27 sheets and was written with the intention of attesting to the patrician ancestry of the family. Jäger mentions in his manuscript that he worked for six years on a „Rehlingerischen bluetstammen“, which probably indicates his intention to write a proper genealogical book for the family. It is possible that the author of this gender book was able to read Clemens Jäger’s notes. Clemens Jäger died in 1561, so he himself is out of the question as the author or writer of the present manuscript.

The first documented member of the family that was officially a citizen of Augsburg is Ulrich von Rochelingen, but the family soon establishes its position in the city. At the beginning of the 14th century, Grimwald von Rehlingen, whose son Hans marries into one of the Patrician families in the city, permanently settles his ancestral line in Augsburg through his son’s marriage. Right before the end of the 14th century, Ulrich and Conrad Roehlinger/ Roechlinger were amongst the 20 richest men in Augsburg. The family’s castles in Rehlingen and Scherneck were their free property, together with their churches and villages. From the Bavarian dukes they also received the associated court marks, in particular the high court, as a fief.

The family became of importance in terms of the economy of the area where they engaged in commercial trade, mining, financial affairs and wine trade (c. 1330). In the 15th century, a family business is documented, lead by Ulrich Rehlingen († 1481/82) – former mayor of Augsburg – with connections to Salzburg, Vienna, Venice, Nuremberg, Frankfurt, Lübeck. In the 16th and 17th centuries, the family’s various long distance trade businesses were fruitful they wear trading in various of Europe’s main ports, even overseas.

Among important members of the family, noteworthy are: Konrad Rehlinger (1470–1556), businessman and second husband of Sibylla Fugger; Ulrich Rehlinger the Elder (1477–1547), Mayor of Augsburg for more mandates; Anna Fugger, née Rehlinger (1505–1548), wife of Anton Fugger; the merchant Hieronymus Rehlinger (1511–1581) and Konrad Marx Rehlinger (1575–1642), the most successful business man of the family.

The Rehlingers who married into numerous Augsburg patrician and merchant families (including Gossembrot, Langenmantel, Fugger, Welser, Baumgartner, Manlich) soon became part of the upper class in Ausburg. Apart from its members who were involved in business and commercial trade, or politics, the family also produced numerous lawyers, clergy, officers, court servants and administrative officials in the 16th and 17th centuries.

During the 16th and 17th centuries, the family’s properties included various country estates in the outskirts of Augsburg (including Hainhofen, Haldenberg, Horgau, Kleinkitzighofen, Leeder b. Landsberg, Nordendorf, Pfersee, Radau). In the region of Salzburg, the Rehlingen family owned the castles Radeck, Goldenstein, Mühlheim, Ursprung and Elsenheim in Salzburg. The city palace of the Rehlinger family in Salzburg still has their name. The Rehlinger family crypt is located in the collegiate church of St. Peter’s Monastery in Salzburg.

Condition: Binding is worn and rubbed, a large part of the spine is missing; the leaves have been cut smaller when the book was bound in the 18th century; the decorative lettering has been partly affected by the cutting. Otherwise in very good condition.

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