Newly discovered design for the Kaisersaal in Bamberg

Melchior Steidl (Innsbruck 1657 – Munich 1727)

Design for the ceiling decoration of the Kaisersaal at the Neue Residenz in Bamberg.

Pencil, pen, brown ink and watercolor on paper; 297 x 187 mm

unidentified watermark

The Kaisersaal of the Neue Residenz in Bamberg is one of the most important imperial halls north of the Alps. The illusionistic ceiling painting was created by Melchior Steidl between 1707 and 1709 and represents one of the heights in his career.

Melchior Steidl was a pupil of the court painter Johann Anton Gumpp (1654-1719) in Munich. Until 1715 he worked almost exclusively for church clients in numerous places in Austria, Bavaria, Franconia, Hesse and Swabia, usually commissioned with the execution of ceiling paintings. Steidl is considered one of the most important fresco painters of the southern German Baroque of his generation. Gumpp’s and Steidl’s illusionism, influenced by Pietro da Cortona and Andrea Pozzo, helped to raise the meaning and autonomy of ceiling painting in their area. Steidl remained a fresco painter throughout his life, faithful to the artistic imprints of his early years.

There exist seven other designs for the Kaisersaal. They depict the four world monarchies (Staatliche Graphische Sammlung München), two smaller allegories for seasons and times of day (Munich, private collection) and another large quadrature design (see previous item). Like all these designs, the present drawing differs in several elements from the actual ceiling painting, indicating a profuse revision of his own designs by Steidl during the working process. It is also known that the client, Prince-Bishop and Elector Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), demanded several changes to Steidl’s designs. Some of the illusionistic elements in the present design, Steidl also used in his ceiling paintings at the Kremsmünster Abbey and Schloss Arnstorff.

Quadratura drawings by Steidl are rare. Most known drawings by him depict designs for ceiling paintings rather than for their illusionistic framings. Both Kaisersaal designs in this catalogue allow an important insight into the development phase of the ceiling painting for one of the most important halls north of the alps.

Literature: Josef Strasser – Melchior Steidl (1657-1727). Die Zeichnungen. Salzburg, 1999; Meinecke – Die Fresken des Melchior Steidl. Diss. Munich 1970; Christian Dümler – Die Neue Residenz in Bamberg. Bau- und Ausstattungsgeschichte der fürstbischöflichen Hofhaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock. Munich, 2001.

Provenance: private collection

_____________________________________________________________________________________________

Entwurf für die Deckendekoration des Kaisersaals in der Neuen Residenz in Bamberg.

Bleistift, Feder, braune Tinte und Aquarell auf Papier; 297 x 187 mm

nicht identifiziertes Wasserzeichen

Der Kaisersaal der Neuen Residenz in Bamberg ist einer der wichtigsten kaiserlichen Säle nördlich der Alpen. Das illusionistische Deckengemälde wurde zwischen 1707 und 1709 von Melchior Steidl geschaffen und bildet einen der Höhepunkte in seiner Karriere.

Melchior Steidl war Schüler des Hofmalers Johann Anton Gumpp (1654-1719) in München. Bis 1715 arbeitete er fast ausschließlich für kirchliche Kunden an zahlreichen Orten in Österreich, Bayern, Franken, Hessen und Schwaben. Er wurde in der Regel mit der Ausführung von Deckengemälden beauftragt. Steidl gilt als einer der bedeutendsten Freskenmaler des süddeutschen Barock. Der Illusionismus von Gumpp und Steidl, beeinflusst von Pietro da Cortona und Andrea Pozzo, trug dazu bei, die Bedeutung und Autonomie der Deckenmalerei in Süddeutschland zu erhöhen. Steidl blieb zeitlebens ein Freskenmaler, der den künstlerischen Prägungen seiner frühen Jahre treu blieb.

Es sind sieben weitere Entwürfe für den Kaisersaal bekannt. Sie zeigen die vier Staatlichen Graphischen Sammlung München, zwei kleinere Allegorien für Jahreszeiten und Tageszeiten (München, Privatsammlung) und ein weiteres großes Quadraturdesign (siehe vorheriger Punkt). Wie alle diese Entwürfe unterscheidet sich die vorliegende Zeichnung in mehreren Elementen vom eigentlichen Deckengemälde, was auf eine gründliche Überarbeitung seiner eigenen Entwürfe durch Steidl während des Arbeitsprozesses hinweist. Es ist auch bekannt, dass der Klient, Fürstbischof und Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), mehrere Änderungen an Steidls Entwürfen forderte. Einige der illusionistischen Elemente des vorliegenden Entwurfs verwendete Steidl auch in seinen Deckengemälden in der Abtei Kremsmünster und im Schloss Arnstorff.

Quadraturzeichnungen von Steidl sind selten. Die meisten bekannten Zeichnungen von ihm zeigen Entwürfe für Deckengemälde und nicht für ihre illusionistischen Rahmen. Der vorliegende Entwurf ermöglicht einen kunsthistorisch bedeutenden Einblick in den Schaffensprozeß für die Deckenmalerei einer der wichtigsten Festhallen nördlich der Alpen.

Literatur: Josef Strasser – Melchior Steidl (1657-1727). Die Zeichnungen. Salzburg, 1999; Meinecke – Die Fresken des Melchior Steidl. Diss. München 1970; Christian Dümler – Die Neue Residenz in Bamberg. Bau- und Ausstattungsgeschichte der fürstbischöflichen Hofhaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock. München, 2001.

Provenienz: Privatsammlung

EUR 9.500,-