Halbleinen-Einband des 19. Jh. [37 x 25,5 cm]. Handschriftl. Titelblatt, 7 handkolorierte Aquatinta-Radierungen von Jakob Adam (1748-1811) nach Ferdinand Bauer (1760-1826); die Tafeln sind nummeriert I-VII; 2 davon sind datiert (Tab. II – 1785; Tab. III – 1786). Die letzte Radierung nicht signiert.
Äusserst seltener Privatdruck (Unikat) von Ignaz von Born. Born dokumentiert hier die bedeutendsten Goldstufen aus Siebenbürgen und Ungarn, die sich damals in der Sammlung des k. k. Naturalienkabinetts in Wien befanden. Laut Titel plante Born, vorliegende Tafeln in einer Auflage von 100 Exemplaren für seine Freunde drucken zu lassen. Offenbar kam es nicht dazu. Wir konnten in der Lietratur sowie in Bibliotheken keinen Hinweis auf vorliegendes Werk finden. Offensichtlich handelt es sich hierbei um einen bisher unentdeckten unikalen Privatdruck für Ignaz von Born.
Ignaz von Born (1742–1791) war einer der führenden Mineralogen und Chemiker des Habsburgerreichs, zugleich Hofrat und Direktor am k. k. Naturalienkabinett in Wien. Als Direktor legte er den Grundstein für das heutige Naturhistorische Museum in Wien. Er ordnete die Sammlungen nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit.
Das Hof-Naturalienkabinett bildete das wissenschaftliche Gedächtnis des Habsburgerreichs. Ursprünglich aus der Privatsammlung von Franz I. Stephan, dem Gemahl Maria Theresias, hervorgegangen, entwickelte es sich unter Borns Leitung zu einer systematischen Arbeitsstätte. Das Kabinett war von strategischer Bedeutung, da es als zentrale Anlaufstelle für die Erforschung der natürlichen Ressourcen der Monarchie diente. Von hier aus wurden Expeditionen koordiniert und Gesteinsproben aus allen Kronländern analysiert. Die Bedeutung der Einrichtung lag vor allem in der Verbindung von herrschaftlicher Repräsentation und praktischem Nutzen: Die dort gewonnenen Erkenntnisse über Mineralien und Erze flossen direkt in die wirtschaftliche Entwicklung des Staates ein.
Borns besondere Expertise für die Bergbauregionen in Siebenbürgen und Ungarn war eng mit seiner Biografie verknüpft: Geboren in Alba Iulia (Karlsburg) als Sohn eines im Bergbauwesen tätigen Vaters, wurde ihm das Verständnis für Geologie bereits in die Wiege gelegt. Als Hofrat verfolgte er später das Ziel, die Effizienz der Edelmetallgewinnung für die kaiserliche Staatskasse massiv zu steigern. Mit der Einführung seines bahnbrechenden Amalgamierverfahrens revolutionierte er die Gold- und Silberextraktion, indem er chemische Prozesse nutzte, um Edelmetalle weitaus effektiver aus dem Gestein zu lösen als herkömmliche Methoden. Seine tiefgreifenden Einblicke in die Geographie und Mineralogie dieser Gebiete hielt er in seinem bedeutenden Werk „Briefe über mineralogische Gegenstände, auf einer Reise durch das Temeswarer Bannat, Siebenbürgen und Ober- und Nieder-Hungarn“ fest. Damit verband Born seine persönliche Herkunft mit wissenschaftlicher Innovation und den strategischen ökonomischen Interessen des Hauses Habsburg.
Er war zudem ein bedeutender Förderer wissenschaftlicher Publikationen und Kunstwerke, die naturwissenschaftliche Präparate mit künstlerischer Darstellung verbanden. Sein Wirken vereinte Forschung, Lehre und Sammlungswesen und machte ihn zu einer zentralen Figur der Aufklärung in Wien.
Die Tafeln illustrieren die Vielfalt natürlicher Goldvorkommen aus den habsburgischen Bergbauregionen. Gezeigt werden prachtvolle Goldstufen, bei denen das Edelmetall in farnartigen Dendriten (Tab. I, Tab. III), fadenförmigem Haargold (Tab. II, Tab. IV) oder massiven Verwachsungen mit seinem Muttergestein (Matrix) (Tab. II, III, VI) erscheint. Neben diesen ästhetischen Großstufen dokumentieren die Abbildungen systematisch die Kristallographie des Goldes (Tab. VII), einschließlich seltener oktaedrischer Kristalle, geometrischer Oberflächenstrukturen und komplexer Zwillingsbildungen.
Jakob Adam (1748-1811) war ein österreichiser Kupferstecher. Seit 1771 wurde er an der Kupferstecherakademie in Wien ausgebildet und schuf eine Vielzahl von Kupferstichen, insbesondere Porträts bedeutender österreichischer Persönlichkeiten. Adam hat auch viele Bilder für die Wiener Bilderbibel (1803) angefertigt.
Ferdinand Lucas Bauer (1760–1826) war ein bedeutender österreichischer Naturzeichner, der durch seine präzisen Illustrationen auf Expeditionen nach Griechenland und Australien Weltruhm erlangte. Er begleitete namhafte Forscher wie John Sibthorp und Matthew Flinders, wobei seine detailgetreuen Darstellungen der Flora und Fauna neue Maßstäbe in der botanischen Kunst setzten.
Da die Tafeln vermutlich nie im regulären Druck erschienen sind, bietet das Exemplar einen exklusiven Einblick in Borns Forschung und die Dokumentation der kaiserlichen Sammlung, der in dieser Form in keinem veröffentlichten Werk zu finden ist.
Alle Blätter mit altem Bibliothek-Stempel (Mineralogisches & petrographisches Institut der Universität Basel); Tafeln teils leicht fleckig, Einband leicht berieben und leicht bestoßen, sonst gut erhalten.
7500,- EUR
(reserviert)



















