Nürnberger Bergordnung des 18. Jh.

Oertel, Johann JakobDes Kornberger Steinbruchs bey Wendelstein erneuert- und verbesserte Berg-Gerichts Gesetze und Ordnung. Anno 1775. Wendelstein, 7. November, 1775. Handschrift. Leder-Einband der Zeit mit reicher Deckelvergoldung und dem Nürnberger Wappendreipass auf Vorderdeckel, Vorsätze mit blau gemustertem Kleisterpapier. Folio [33,6 x 23 cm]. 5 nn. Bll., 50 Seiten.

Sehr seltene handschriftliche Bergordnung für den Kornberger Steinbruch bei Wendelstein nahe Nürnberg (heute Holsteinbruch). Aufgrund des prächtigen Einbandes sowie der aufwendigen kalligraphischen Gestaltung muss davon ausgegangen werden, dass es sich um keine Abschrift, sondern um das handschriftliche Original handelt. Das vordere fliegende Vorsatzblatt trägt den Stempel des damals zuständigen Forstamtes Laurenzi sowie die Unterschrift des damaligen Direktors. Auf der letzten Seite werden sowohl die beiden Auftraggeber als auch der Schreiber und das Datum der Niederschrift (7. November 1775) angemerkt. Der Vorderdeckel trägt zudem den Titel in Goldaufdruck: „Des Kornberger Berg-Gerichts Gesetze und Ordnung des Steinbruch bey Wendelstein anlangend. 1775“.

Die Handschrift beginnt mit einer 2-seitigen Einführung in die Geschichte der früheren Bergordnungen für den Kornberg. Es folgt eine Seite mit Erläuterung des Ratserlasses zum Kornberger Berggericht vom 7. September 1775, dass die Bergordnung erneuert und auf damalige Zeitumstände angepasst werden solle. Es folgt ein 5-seitiges Register. Die eigentliche Bergordnung ist in 25 Abschnitte unterteilt. Jeder dieser Artikel ist mit einer prachtvollen kalligraphischen Überschrift versehen.

Handschriftliche Bergordnungen des 18. Jahrhunderts sind sehr selten. Meist handelt es sich dabei lediglich um Abschriften der Originale. Vorliegende Handschrift stellt jedoch eine aussergewöhnliche Rarität dar. Es handelt sich offensichtlich um das original Dokument der historischen Bergordnung für den Kornberger Steinbruch und ist zudem in einen prächtigen Wappeneinband gebunden. Es existiert keine gedruckte Ausgabe der Kornberger Bergordnung.

Das Wernloch nahe Wendelstein bezeichnet mehrere heute größtenteils aufgegebene Steinbrüche, in denen seit Jahrhunderten weicher, rötlicher Sandstein abgebaut wurde. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurden die Steinbrüche im Jahre 1236. Der Holsteinbruch bei Wurzeldorf (früher Kornberg genannt) ist der einzige Steinbruch, welcher auch heute noch bewirtschaftet wird. Für die Nürnberger Baugeschichte sind die Steinbrüche im Wernloch von herausragender Bedeutung. So wurde der dort abgebaute rötliche Sandstein für den Bau der Burg und der mächtigen Stadtmauer, für die Kirchen, die Bürgerhäuser sowie die Schlösser der Patrizier im Umland verwendet. Auch heute gibt der Stein der Stadt und den umliegenden Ortschaften ihr unverwechselbares Gesicht.

In der von Radlmaier beschriebenen Bibliothek des Paul Carl Welser existieren 7 Handschriften zum Kornberger Bergbau. Bis auf zwei Manuskripte handelt es sich jedoch um Abschriften. Neben Rechnungen und Akten enthält die Sammlung auch eine fragmentarisch erhaltene Abschrift einer Bergordnung des Kornberger Steinbruchs im Quartformat (Merkel Hs. 4°-326). Ob es sich um eine Abschrift vorliegender Bergordnung handelt oder die einer früheren Version, konnten wir jedoch nicht feststellen.

Paul Carl Welser (1722-1788), einer der beiden Auftraggeber der Bergordnung, war Baumeister der Stadt Nürnberg. Seine Norika-Bibliothek befindet sich heute als Depositum in der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg (Bibliothek der Paul Wolfgang Merkelschen Familienstiftung). Der zweite Auftraggeber, Christoph Carl Joseph Volckamer (1716-1783) wr geheimer Rat und ebenfalls Baumeister der Stadt Nürnberg, zudem junger Bürgermeister im Jahre 1757. Bis zu seinem Tod leitete und überwachte er als Ratsbaumeister die Bauvorhaben der Stadt Nürnberg. Johann Jakob Oertel (1721-1794) war nürnbergischer Stabs- und Bergrichter in Wendelstein.

Provenienz: Königlich Bayerisches Forstamt Laurenzi; Privatbesitz.

Literatur: Dominik Radlmaier – Handschriften der Welser. Die Bibliothek der Paul-Wolfgang-Merkelschen Familienstiftung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Neustadt an der Aisch, 2008; M.H. Grieb – Nürnberger Künstlerlexikon. Saur, 2007. Bd. 2, S. 1592.

EUR 1850,-