Demmerlein, Johann Georg – Kunst-Büchlein für Johann Georg Demmerlein Altensittenbach
Hersbruck (Mittelfranken, Bayern), 9. Januar 1805 (-1837).
Broschur der Zeit [15,5 x 9,5 cm]. [45] Bl. — Handgeschriebenes Kompendium zur ländlichen Hausapotheke, Volksmedizin und Schutzmagie. Enthält 120 nummerierte Anleitungen. Das Manuskript beginnt mit Anweisungen zum Blutstillen („Daß eine Kugel blüt Haben muß“) und enthält zahlreiche Besprechungsformeln, sogenannte Zaubersprüche. Besonders bemerkenswert ist eine Variation der Sator-Quadrat-Magie zur Heilung der Wundrose, eingeleitet durch die Anweisung „Wer daß Roth Laufen dieße Worte auf ein Papier geschrieben und auf daß Roth Laufen gelegt so ist es in einer Stund oder 2 Weg“, gefolgt von einem großflächigen, kryptischen Buchstaben-Raster. Neben der Magie finden sich detaillierte pharmazeutische Rezepturen für Mensch und Vieh, etwa eine „gute approbirte Fuchsschüttung“ unter Verwendung von Ingredienzen wie „Foen: graec (Bockshornklee), Baldrian, Zitwerwürtz und Heilwürtz“, die in einem „neuen Maß Hafen“ gesotten werden müssen. Das Werk enthält zudem archaische Segenssprüche wie gegen das „Lieschen“, bei denen gefordert wird, man „mußt ein Messer haben daß 3 x hat und mußt es in der Scheide umwenden“, sowie rituelle Anrufungen der Erzengel Michael und Gabriel zur Abwehr von Unheil durch „Zoggen“. Enthalten ist auch eine 6-seitige Anleitung zum rituellen Schneiden und Weihen einer Wünschelrute, die detailliert beschreibt, wie durch die Anrufung göttlicher Namen wie „Tetragrammaton“ und „Agla“ verborgene Schätze aus Gold und Silber aufgespürt werden können. Weitere Einträge befassen sich mit dem Schutz des Viehs, wobei etwa „9 Blättlein Guterben“ (Gundermann) mit „Teufelsdreck“ (Asant) und Weinraute gemischt werden sollen, um sie dem Vieh „alle Montag und Freytag“ einzugeben. Auch die magische Unverwundbarkeit gegen Schüsse wird thematisiert, indem eine „Hastleiner Ruthe“ (Haselrute) rituell bei Sonnenaufgang geschnitten werden soll. Weitere Anleitungen: ein Segen für alle „offene Schäden“ (Wunden), ein Segen für eine „Mutter, wenn Sie das Kind verloren hat“, eine Anweisung, wire man sich unsichtbar macht oder vor Feinden verbirgt, Anleitungen zur Entdeckung verborgener Dinge. — Die Provenienz ist durch mehrfache Namensnennungen und biographische Nachträge der Familie Demmerlein aus Altensittenbach und Hersbruck gesichert. — Einband fleckig, Seiten teils etwas fleckig, Vorsatz mit altem Besitzvermerk: Stempel von „Dr. Gießberger“, sonst gut erhalten.
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