Maria Josepha (?): Rudimenta Novitiorum Fratrum Minorum Capucinorum… In Nomine Domini Nostri Jesu Christi. Maria Francisci et Sancta Clarae… den andern Theil… Der dritte Theil. 3 Teile in 2 Bände.
(Süddeutschland oder Schweiz), 1681.
Pergament-Einbände der Zeit mit je zwei Buchschließen [ca. 17 x 11cm]. 311, (11); 264 (4) Bl., 5 leere Bl. Handschrift in schwarzer und roter Tinte.
Vorliegende deutsche Handschrift aus der Epoche der barocken Gegenreformation belegt, dass Novizinnen im 17. Jahrhundert nicht nur ihre eigenen Ordensregeln studierten, sondern auch die Handbücher ihrer männlichen Visitatoren (Kapuziner) kopierten, um ein tieferes Verständnis der gemeinsamen franziskanischen Mystik zu erlangen. Die uniforme Gestaltung beweist, dass diese Bände als persönliches Set für das Studium konzipiert waren. — Der erste Band („Rudimenta Novitiorum“, Die Kapuziner-Instruktion) stellt ein systematisches pädagogisches Lehrwerk dar, das speziell für die Einführung in den „Franziskanischen geistlichen Stand“ konzipiert wurde. Der erste Teil widmet sich der grundlegenden „Reform des äußeren Menschen“ und der korrekten Ausführung klösterlicher Übungen. Ein besonderes Merkmal dieses Bandes ist die Verwendung eines didaktischen Dialogs zwischen einem „Magister Novitiorum“ und seinem „Novitius“. In diesen Gesprächen werden komplexe theologische Themen wie die „drei Kräfte der Seele“ (Verstand, Wille, Gedächtnis) erörtert. Das Ziel ist die vollständige Reinigung der Seele von „bösen Begierden“ und „Unkraut“, um Platz für die „Pflanzung der Tugenden“ zu schaffen. Ein detailliertes Register am Ende des ersten Teils listet Verhaltensregeln auf, wie etwa die unbedingte Unterwerfung unter den Novizenmeister und die Offenlegung des Gewissens.
Der zweite Band beinhaltet Unterweisungen für die Schwestern des Ordens der Heiligen Clara und ist spezifisch auf die Lebenswelt der Klarissen zugeschnitten. Er beginnt mit einer feierlichen Anrufung der Ordenspatrone Jesus, Maria, Franziskus und Clara. Während Band I die theoretischen Grundlagen legt, konzentriert sich dieser Band stärker auf die „innerliche oder zurückgezogene Wandlung“ der Nonne. Die Texte bieten präzise Anleitungen, wie eine Schwester „nach dem Geist leben“ und ihr Herz und Gemüt reformieren soll. Dies umfasst sowohl die innere Haltung als auch die äußere Disziplin an den zentralen Orten des Klosterlebens: dem Oratorium für das Gebet, den Zellen für die Kontemplation und dem Refektorium für die gemeinsame Mahlzeit. Der Band schließt mit einem persönlichen Besitzeintrag der Novizin Maria Josepha Beinheim(?) die das Werk 1681 während ihrer eigenen Noviziatzeit eigenhändig niederschrieb.: „Dieses Buch gehört der Ehrw. Schwester Maria Josepha Beinheim(?) welches sie geschriben zur Zeit ihres Novizambt Anno 1681“ — Vorsätze mit alten Bibl.-Stempeln, Einbände leicht fleckig, sonst gut erhalten.
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