Billeter, Jakob (1630-1712) – „COMPLEMENTUM ALVEARI dulci et salutari pulcherrimorum tam sacrorum quàm profanorum Factorum Sententiarum Exemplorum Similitudinum melle pleni e variis probatorum librorum flosculis in usum Concionatorum à Iacobo Billeter Parocho in Aquis Regijs, ac Sextario Venerabilis Capituli Tugino-Bremgartensis successive digesti, et in libros tres ordine alphabetico divisi. LIBER SECUNDUS“. (Band 2 von 3)

(Baden im Aargau, Schweiz), 1699.

Blindgeprägter Leder-Einband der Zeit mit grünen Seidenbändern. 8° [20,5 x 17,5 cm]. Handschrift in brauner Tinte. 2 Bl., (4) 446 (2) Seiten, 2 Bl. — Da die Einträge alphabetisch geordnet sind und der Autor für jeden Buchstaben Platz für eventuelle Nachträge gelassen hat, sind nur 2/3 der Seiten tatsächlich beschrieben.

Das Buch trägt den Titel „Complementum Alveari“, was übersetzt „Ergänzung des Bienenstocks“ bedeutet. Dieser Name bezieht sich auf eine damals beliebte Arbeitsmethode: Wie eine Biene, die Pollen sammelt, hat der Autor aus vielen verschiedenen Büchern das Beste zusammengetragen. Er sammelte Taten, Sprüche, Beispiele und Gleichnisse (Factorum Sententiarum Exemplorum Similitudinum), um sie für Predigten und den Unterricht griffbereit zu haben. Das Manuskript ist alphabetisch sortiert und funktioniert wie ein Lexikon für den täglichen Gebrauch eines Pfarrers.
Jakob Billeter war ein einflussreicher Schweizer Geistlicher und Lehrer im späten 17. Jahrhundert und ein bedeutender Repräsentant des gelehrten Barockklerus. Seine Karriere zeigt den typischen Weg eines Gelehrten dieser Zeit: Er war zunächst Pfarrer in Baden und Verwalter (Sextar) des Kapitels Zug-Bremgarten. In diesen Rollen war er sowohl für die Seelsorge als auch für die Verwaltung von Kirchengütern zuständig.
Sein wichtigstes Amt trat er in Altdorf an, wo er von 1671 bis 1691 als Oberschulmeister die Leitung des dortigen Schulwesens übernahm. Als Lehrer und Benefiziat war er darauf spezialisiert, kompliziertes theologisches Wissen für den täglichen Gebrauch in der Schule und auf der Kanzel aufzubereiten. Der hat eine von 1619 bis 1701 reichende Chronik geschrieben, mit hohem Anteil an autobiographischen Aufzeichnungen. Dieses Manuskript aus dem Jahr 1699 stammt aus seiner späten Schaffenszeit und fasst seine jahrzehntelange Erfahrung als Sammler und Pädagoge zusammen.
Folgende Begriffe sind im Buch enthalten: Heresis, Humilitas, Ieiunium, Imago, Imitatio Christi, Innocentia, Iniuria, Joannes Baptista, Joannes Evang., Judicium Extremum, Judicium temerarium, Juventus, Labor, Lacrima, Lectio Spiritualis, Leges, Luxuria, Maria, Maria Magd., Martyr, Matrimonium, Meditatio, Missa, Moribundus, Musica, Parochus, Partus, Pasio Xti, Pasio Maria, Pax, Patientia, Patronus, Peccator, Peccatum, Peccatum mortale, Peccatum veniale, Pestis, Pietas, Penitentia, Perseverantia, Preparatio ad morte, Prima communio, Prudentia Dei, Punitio Dei, Proc. Peregrinas, Purgatorium. Als Besonderheit findet sich auf einer unpaginierten Seite am Ende der Begriff „Levitas“; dieser wurde vermutlich bei der ursprünglichen Erstellung des Buchstabens L im Index vergessen und daher als Nachtrag nachgeholt.
Die Themenliste ist sehr vielseitig und deckt fast alle Lebensbereiche ab. Im religiösen Teil finden sich ausführliche Notizen zu Irrglauben (Heresis), zum Fegefeuer (Purgatorium), zur heiligen Messe (Missa) und zur Bedeutung religiöser Bilder (Imago). Daneben stehen ganz praktische moralische Fragen: Billeter schreibt über Tugenden wie Demut (Humilitas) und Geduld (Patientia), warnt aber auch vor Lastern wie Wollust (Luxuria) oder Unrecht (Iniuria). Auch der Alltag kommt nicht zu kurz, mit Einträgen zu Arbeit (Labor), Musik, dem Eheleben (Matrimonium) oder den Aufgaben eines Pfarrers (Parochus).
Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Thema Tod und Vorbereitung. Unter Stichworten wie „Moribundus“ (der Sterbende), „Preparatio ad morte“ (Vorbereitung auf den Tod) und „Pestis“ (Pest) gibt er konkrete Hilfestellungen für die Sterbebegleitung. Ergänzt wird dies durch Lebensbeschreibungen von Heiligen wie Johannes dem Täufer und Maria Magdalena sowie Betrachtungen zum Leiden Christi („Passio Christi“).
Das vorliegende Manuskript stellt in seinem Kern ein „Florilegium“ dar, das theologische und moralische Begriffe systematisch aufbereitet. Der alphabetische Index umfasst ein breites Spektrum von Themen wie Heresis, Humilitas und Missa bis hin zu Purgatorium. Insgesamt dokumentiert das Werk eine strukturierte Arbeitsweise bei der Erfassung geistlicher Inhalt im 17. Jh.

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