Entwurfszeichnung für das Liechtenstein-Schloß Wilfersdorf

Anton Johann Ospel (Klösterle am Arlberg 1677-1756 Wien) – Entwurfszeichnung einer Innenfassade mit zwei Türen, einem Wandbrunnen und verschiedenen Figuren. (vermutlich für das Liechtenstein-Schloss Wilfersdorf). Lavierte Federzeichnung, teilweise mit Bleistift überzeichnet. Links unter der Darstellung signiert. Um 1713.

rückseitig:

Entwurfsskizze und Grundriss der Auffahrt von Schloss Wilfersdorf sowie von Teilen der Schlossfassade. Bleistift. Um 1713.

Blatt-Maße ca. 50,5 x 25,5 cm

Sehr seltene handsignierte Zeichnung von Anton Johann Ospel. Eine von nur wenigen erhaltenen Zeichnungen von ihm und einzige in Privathand. Im Jahre 1713 begann Anton Johann Ospel seine Tätigkeit als fürstlicher Ingenieur für Fürst Anton Florian von Liechtenstein. Im Herbst begann er mit den Entwürfen für die Schlösser Wilfersdorf, Feldsberg und Hauskirchen. Die Datierung vorliegender Zeichnung ergibt sich aus der rückseitigen Skizze der Auffahrt von Schloss Wilfersdorf. Es handelt sich offensichtlich um eine erste Entwurfsskizze und muss zu Beginn von Ospels Planungen entstanden sein. Der Baubeginn verzögerte sich bis 1715, im Jahre 1718 waren die Baumaßnahmen jedoch weitgehend fertiggestellt. Johann Adam Delsenbach fertigte um 1720 eine Zeichnung der Fassade von Schloss Wilfersdorf an, auf welcher die von Ospel geplante Auffahrt fast identisch zu unserer Zeichnung dargestellt ist. Heute existiert die Auffahrt nicht mehr in ihrer ursprünglichen Gestalt. Der ehemals inliegende Teich wurde mit Erde aufgefüllt.

Aufgrund der zweifelsfreien örtlichen Zuschreibung der Bleistiftskizze auf der Rückseite, ist anzunehmen, dass es sich bei dem Entwurf für eine Innenfassade ebenfalls um eine Arbeit für das Schloss Wilfersdorf handelt. Durch zahlreiche spätere Umgestaltungen im Inneren des Schlosses, ist eine eindeutige Identifizierung heute jedoch nicht mehr möglich. Die Zeichnung zeigt die für Ospel typischen Wandprofile, welche sich auch heute noch in sehr ähnlicher Art im Reitstall von Schloss Feldsberg (Valtice) erhalten haben. Für beide Schlösser, Wilfersdorf und Feldsberg, fertigte Ospel etwa zur gleichen Zeit Entwürfe an. Wenngleich der Entwurf der Innenwand auch nicht zweifelsfrei Wilfersdorf zugeordnet werden kann, so stammt er doch mit Sicherheit für einen Bau des Fürsten Anton Florian von Liechtenstein.  Die Figuren zeigen zwei geflügelte Sphingen, zwei aufrecht stehende Musen sowie einen Delphin-Springbrunnen mit Putto. Auch für den Springbrunnen lässt sich ein Vergleich zum  Reitstall von Schloss Feldsberg finden. Dort ist ebenfalls ein von Ospel geplanter Wandbrunnen mit zwei Delphinen erhalten.

Anton Johann Ospel gilt heute als einer der originellsten Barockarchitekten nördlich der Alpen. Während das 2007 erschiene Werkverzeichnis von Christiane Salge 47 gesicherte eigenhändige Werke Ospels auflistet, sind von ihm selbst nur wenige Zeichnungen erhalten. Die einzigen noch erhaltenen Entwürfe, welche ihm zweifelsfrei zugeordnet werden können, sind die Grundrisspläne für das Palais Czernin in Wien, entstanden zwischen 1720 und 1735, sowie drei Entwürfe für das Brünner Minoritenkonvent um das Jahr 1721. Diese befinden sich heute in Jindrichuv Hradec (Neuhaus in Böhmen) und in Olomouc (Olmütz).

Vorliegende Zeichnung ist somit der älteste von Ospel erhaltene Entwurf und der einzige ausserhalb von Tschechien verbliebene.

Anton Johann Ospel wurde lange Zeit von der Kunstgeschichtsforschung vernachlässigt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts haben sich jedoch mehrere Kunstwissenschaftler mit seinem Werk auseinandergesetzt. Nach einigen kleineren wissenschaftlichen Arbeiten wurde im Jahre 2007 das von Christiane Salge verfasste massgebliche Standardwerk über ihn herausgebracht.

Literatur: Christiane Salge: Anton Johann Ospel. Ein Architekt des österreichischen Spätbarock (1677-1756). Liechtenstein Museum / Prestel, 2007.

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