Minderer, Sebastian (1710-1784) u.a. – Sammelhandschrift eines Novizen aus Unterfranken im Bamberger Franziskaner Kloster mit 3 religiösen Schriften: 1) Miscellanea Ex Asiesi. // 2) Rhetorica Sacra seu Praxis Concionandi // 3) Peritia Libelli de Imitatione Christi Auctore Thomâ à Kempis. Adornata per Heribertum Rosweidum.

(Bamberg) um 1760.

Leder-Einband der Zeit mit Buchschließungen [ca. 18 x 11cm]. ca. 250 unnum. Bl.

Bei dem vorliegenden Manuskript handelt es sich um eine Art Handbuch für Novizen wohl aus dem Bamberger Franziskanerkonvent. Es diente der Ausbildung angehender Mönche in den zwei wichtigsten Säulen des Klosterlebens: der öffentlichen Rede und der inneren Einkehr. — Der erste Teil widmet sich der geistlichen Formung. Er enthält die berühmten Regeln zur „Unterscheidung der Geister“ (discretio spirituum), die auf den Exerzitien des Hl. Ignatius von Loyola basieren. Die Texte leiten dazu an, den Ursprung eigener Gedanken zu prüfen – ob sie von einem „guten Geist“ zur spirituellen Freude oder von einem „bösen Geist“ zur Täuschung der Seele gesandt wurden. Ergänzt wird dieser Teil durch eine „Introductio Brevis in Vitam Religiosam“, die praktische Anweisungen für den Tagesablauf enthält, von Stoßgebeten beim Aufstehen bis hin zum rituellen Anlegen der Sandalen und des Strickes (Cingulum). — Das zweite Werk enthält eine detaillierte Anleitung zur „Praxis des Predigens“. Dieser Teil basiert auf den Lehren von Sebaldus Minderer, einem einflussreichen bayerischen Franziskaner-Provinzial. Er vermittelt das methodische Rüstzeug, um theologische Inhalte strukturiert und rhetorisch wirksam von der Kanzel zu vermitteln. Laut Titelblatt war dieser Abschnitt explizit für den Gebrauch im Bamberger Noviziat bestimmt. — Der letzte Teil ist eine wissenschaftlich-theologische Untersuchung des Klassikers von Thomas von Kempen (1380-1471) auf Basis der Studien von Heribert Rosweyde (1569-1629). Der Text unterstreicht den Wert des Werkes für die innere Einkehr. Eine Besonderheit ist die vorangestellte Einleitung in deutscher Kurrentschrift, in der der Schreiber um die „Salbung des Heiligen Geistes“ bittet, um die spirituelle Tiefe des Textes zu erfassen.

Auf den ersten Blättern findet sich ein detailliertes Nekrologium sowie ein Taufregister, das primär die Familien Hoffmann und Knott aus der Rhön (insbesondere Wildflecken) betrifft. Diese Eintragungen – darunter die bewegende Notiz zum Tod der Mutter des Schreibers im Jahr 1785 („pie obiit mater mea“) – schlagen eine Brücke zwischen den klösterlichen Pflichten des Mönchs und seinen familiären Bindungen. Indem der Besitzer diese Lebensdaten unmittelbar neben seine täglichen liturgischen Regeln stellte, stellte er sicher, dass die Namen seiner Angehörigen Teil seines immerwährenden Fürbittgebets blieben. — Einband leicht berieben, mit altem. Bibl.-Stempel – gut erhalten.

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